Lernen mit Mehrwert – Das SAMR Model

Der Begriff „iPad-Klasse“ gehört ja schon fast zum Grundwortschatz einer jeden Lehrerkonferenz. Immer wieder hört und liest man von Schulen die sich im „Wandel“ befinden. Doch was ist mit „Wandel“ eigentlich gemeint?  Das deutsche Schulsystem so wie es ist, gilt als veraltet und wird den neu gewachsenen Anforderungen von Beruf und Karriere wohl nicht gerecht werden. Neu und modern soll es sein oder um es mit anderen Worten zu beschreiben: Digital. Ebenso wie es die Werbung zukunftsweisender Technologieunternehmen verspricht. Doch wird der Unterricht wirklich besser, nur weil die Schule im 21. Jahrhundert über Beamer, Smartboards oder Tablet-Computer verfügt? Wird aus einem schlechten Schüler ein guter, nur weil er ein iPad im Ranzen trägt? Sicherlich nicht. Um die Lern- und Lehrkultur zu verändern sind wohl ganz andere Wege zu gehen.

Apps im SAMR Model von Dr. Ruben PuenteduraAuf der Suche nach neuen Methoden für die didaktische Unterrichtsplanung wird wohl jeder früher oder später über das SAMR Model stolpern. Ein Lehrmodel mach Dr. Ruben Puentedura, dem Gründer und Leiter eines US-amerikanischen Beratungs-unternehmens Hippasus. In seinem vierstufigen Modell (Substitution, Augmentation, Modification und Redefinition) beschreibt er die  Einstufungen bei der Integration und Nutzung von technischen Unterrichtsunterstützern.

Substitution/Ersetzen: Der Einsatz von Technologien wird hier lediglich als Werkzeug zum klassischen Unterricht gesehen. Dabei gibt es, abgesehen von einer möglichen Steigerung der Motivation, keinerlei Verbesserung der Arbeitsschritte. Ob ein Schüler im Musikunterricht nun die Noten seiner Gitarre aus dem klassischen Notenbuch abliest oder diese aus der APP Ultimate Guitar Tabs (Ultimate-Guitar.com) bezieht ist erst einmal egal.

Augmentation/Erweiterung: Im Grundsatz unterscheidet sich diese Stufe nur wenig von der Ersten. Jedoch können hierbei durch den Einsatz digitaler Technologien Erleichterungen und oder Verbesserungen bei den Arbeitsabläufen auftreten. Wenn z.B. ein Multipel-Choice-Test nicht wie zuvor auf Papier erarbeitet wird, sondern man hierfür die App Socrative (Socrative.com) einsetzt, ergibt sich aus dem erweiterten Umfang der App die Möglichkeiten einer grafischen Auswertung sowie eines direkten Feedbacks an die Schüler.

Modification/Veränderung: Bei dieser Stufe ist der Einsatz von technischen Unterrichtsbegleitern unmittelbar mit der Erarbeitung oder Erstellung von Materialien verbunden und fest in die Planung der Unterrichtseinheit integriert. Würde man hierbei letztendlich auf den Einsatz digitaler Technologien verzichten, würde die Durchführung entweder ganz scheitern oder nur mit enormen Qualitätsverlust durchgeführt werden können. Als Beispiel dient hier das kollaborative Arbeiten mit der App BaiBoard (BaiBoard.com), bei der jeder Schüler von seinem Platz aus gemeinsam mit der Klasse an einem Dokument arbeiten kann.

Redefinition/Neudefinition: Die vierte Stufe bietet die Möglichkeit, bisher unausführbare und unkonventionelle Unterrichtsmethoden durchführen zu können. Sie ermöglicht Praktiken wie Mobile Learning, Flipped Classroom oder Game based Learning und ebnet den Lehrern und  Schülern den Weg in eine neue Lehr-/Lernwelt, mit erheblichen Mehrwert.

Doch wer der Meinung ist, dass lediglich durch die Hinzugabe von Technik unser Bildungsproblem gelöst werden kann, der irrt gewaltig. Technik sollte nur dort angewendet werden, wo sie für Lehrer oder Schüler einen erkennbaren Mehrwert bietet. Andernfalls könnten durch Ablenkung oder Missbrauch die Unterrichtsergebnisse sogar verschlechtert werden. Rund um den Globus finden sich schon heute beeindruckende Ansätze, die uns einen Blick in die Zukunft des Unterrichts erlauben. Sicherlich bietet das SAMR Model nicht Antworten auf alle Fragen, doch gibt es motivierten Lehrern die Möglichkeit über eigene Unterrichtsmethoden nachzudenken.

Ein Gedanke zu “Lernen mit Mehrwert – Das SAMR Model

  1. „Doch wer der Meinung ist, dass lediglich durch die Hinzugabe von Technik unser Bildungsproblem gelöst werden kann, der irrt gewaltig.“

    Gemessen an den Leistungen der Wirtschaft, welche von digital Ungebildeten geleitet wird, haben wir sicher kein Bildungsproblem. Und Technik und eine grundsolide Ausbildung in und zur Technik ist der einzig mögliche Weg zur digitalen Bildung. Weil digitale Bildung weit mehr ist als das „Lernen mit Apps“. Digitale Bildung ist Produzieren und Teilen von digitalen Informationen.

    Gefällt 1 Person

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